Seit Beginn der Corona-Krise wird sexueller Kindesmissbrauch seltener gemeldet. Betroffene Kinder haben kaum mehr Möglichkeiten, sich ihren Bezugspersonen in Kitas oder Schulen anzuvertrauen. Deswegen unterstützt die Bildungslotterie die Kinderschutzhäuser „Mattisburgen“ der „Ein Platz für Kinder gGmbH“ mit 1.000 Euro Soforthilfe.

In Halle an der Saale eröffnete im Februar 2020 die „Mattisburg Halle“. Die Kinder zwischen vier und zwölf Jahren, die hier Zuflucht finden, haben Missbrauch, Gewalt und Vernachlässigung erfahren und wurden aufgrund ihrer Geschichte von Jugendämtern aus ihrem Zuhause genommen. Kinder, denen in Heimen und Pflegefamilien nicht die notwendige trauma-therapeutische Unterstützung gegeben werden kann. Sie verbleiben in der Regel für einen Zeitraum von sechs Monaten bis zwei Jahren in der Mattisburg.

Der Besuch einer Regelschule ist für die schulpflichtigen Kinder zurzeit nur eingeschränkt möglich. Die schulischen Defizite sind groß und durch die Corona-Kriese werden die Schülerinnen und Schüler weiter abgehängt. Um diese Kinder auch in Corona-Zeiten zu unterstützen und Lücken im Lernstoff zu schließen, werden die Kinder in der Einrichtung „Mattisburg“ unterrichtet. Dank der Unterstützung durch die Bildungslotterie können dafür Tabets und anderen dringend benötigte Unterrichtsmaterialien angeschafft werden.

Laut aktueller Statistik des Bundeskriminalamtes aus dem Jahr 2018 mussten 14.410 Jungen und Mädchen sexuellen Missbrauch erdulden. „In unseren Mattisburgen helfen wir jenen Kindern, die so verstört sind, dass sie nicht über das Geschehene sprechen können. Doch ihr Verhalten zeigt, dass etwas Unvorstellbares in ihrem jungen Leben geschehen ist“, sagt  Melanie Zemanek von der „Ein Platz für Kinder gGmbH“. Mit viel Zeit, Geduld und Empathie können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mattisburgen das verlorene Vertrauen aufbauen, um die Geschichte der kleinen Opfer zu ergründen. „Denn nur dann können wir gezielt helfen.“ Ziel eines Aufenthaltes in der Mattisburg ist es somit, eine detaillierte Analyse unter Einbeziehung des gesamten Familiensystems zu erstellen, um herauszufinden, was die Traumatisierungen verursacht hat.

Für die Zeit nach der Mattisburg wird gemeinsam mit Jugendämtern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein für das jeweilige Kind passender und dauerhafter Platz gesucht. Das kann eine Rückführung in die eigene Familie – sofern die Gründe des erlebten Traumas nicht hier verankert waren – ein Platz in einer Pflegefamilie, Wohngruppe oder auch in einer Spezialeinrichtung sein. Wichtig ist dabei, dass die Jungen und Mädchen einen neuen Lebensraum finden, in dem sie bis zum Erwachsenenalter verbleiben und ihre nunmehr erkannten Traumatisierungen in Form von Therapien behandelt werden.